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Der Baikalsee ist der siebtgrößte See der Erde. Als Abenteurer Lars Karkosz erfährt, dass diese Gewässer durch die Weidereröffnung einer Papierfabrik gefährdet ist, fühlt er sich getrieben zu handeln.

Von Krefeld macht er sich mit einem Reisegefährten auf den Weg. 600 Kilometer im Faltboot – genug Zeit, die Geheimnisse des Sees und seiner Bewohner mit der Kamera einzufangen.

Quelle: https://4-seasons.de/termin/baikalsee-aufbruch-zur-perle-sibiriens

 

Über unsere Expedition auf dem Baikalsee, ist ein 8 seitiger Artikel im Kanu Magazin #07/2012 erschienen, viel Spaß beim lesen :

kanu-magazin-7-2012

„ Aufbruch zur Perle Sibiriens “

Text Lars Karkosz

Es ist zwei Uhr morgens, wir befinden uns an der Grenze des kleinen Landes Belarus und alle Vorhänge unseres Zuges sind zugezogen. Die Schaffnerin passt empfindlich darauf auf, dass ich während der wenigen Stopps nicht, aussteige um Fotos zu machen, sie scheint in mir wohl einen westlichen Spion zu vermutet. Schon im Vorfeld sind wir von unseren Mitreisenden vor den peniblen Untersuchungen der Zöllner des ehemaligen Weißrusslands gewarnt worden. Ein wenig bange ist uns schon, dass wir mit unserem enormen Gepäck von 200 Kilogramm Probleme bekommen werden und unsere Expedition schon vorbei ist, bevor sie überhaupt erst richtig angefangen hat. Plötzlich wird die Tür unseres Abteils aufgerissen. Wir sind auf einmal hellwach und erblicken mit unseren geblendeten Augen eine gut aussehende Zöllnerin, die uns in fast akzentfreiem Englisch anspricht: „Could you please, describe in one word, what´s in your luggage?“ Unsere einfache Antwort: „ Kajaks“. Nervös übergeben wir unsere Pässe mit den teuren Transitvisa. Nach einer langen Stunde des Wartens erhalten wir endlich unsere Dokumente zurück. So einfach hatten wir uns das Ganze eigentlich nicht vorgestellt. Wir atmen auf.

Anreise mit der Transsibirischen Eisenbahn

Endlose Birkenwälder ziehen an unserem Zugfenster vorbei. Mir gegenüber sitzt mein langjähriger Freund Wolfgang Schmidt. Nach langem Überlegen hatte er mir am letzten Silvesterabend, endgültig die Zusage gegeben, mich auf meiner geplanten Faltboot- Expedition nach Sibirien zu begleiten. Ich bin sehr froh darüber, bei dem Versuch den tiefsten See der Erde mit dem Kajak zu durchqueren, einen alten Weggefährten an meiner Seite zu wissen.

Unser Wagon rattert über die schlechte Trasse, wir haben uns auf die 6000 Kilometer lange Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn Richtung Osten gemacht, deren Endpunkt die Stadt Sewerobaikalsk an den Ufern des Baikalsees sein soll. Die „Perle Sibiriens“, wie der Baikal auch liebevoll von den Bewohnern Ostsibiriens genannt wird, ist der 7. größte See unserer Erde. Seine tiefste Stelle, die bis heute noch nicht genau vermessen wurde, soll um die 1600 m liegen. Er beherbergt mit über 23.500 Kubikkilometern Wassermasse über 20% unserer wertvollen Süßwasserreserven. Mit seinen vielen endemischen Tierarten, wie z.B. der Baikalrobbe und einer speziellen Lachsart, dem Omul, stellt er auch was seine Biodiversität angeht, eine Superlative dar.

Schon lange beschäftigte ich mich mit der Planung des Projekts „Aufbruch zur Perle Sibiriens“. Als ich Ende 2009 über die Wiedereröffnung der Papier -Fabrik im März 2010 in Baikalsk am südlichen Ufer des Sees lese, steht mein Entschluss die geplante Expedition endlich in Angriff zu nehmen fest.

Da die Industrieabwässer der Zellulose- Fabrik in das empfindliche Ökosystem des Sees fließen, wollen wir durch eine anschließende Vortragsreihe auf die Umweltproblematik im und um den See aufmerksam machen. Dementsprechend haben wir uns für eine umweltfreundliche An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln entschieden. Unser Plan ist es, im Stile unserer Großväter mit der Eisenbahn von meinem Heimatort am Niederrhein zu unserer Einstiegsstelle in Sibirien zu fahren, dort unsere Faltboote aufzubauen und die ca. 600 kilometerlange Paddelstrecken zu bewältigen. Soviel zur Theorie!

Über fünf Monate im Jahr, von Dezember bis April, ist die Oberfläche des Sees mit einer Eisschicht bedeckt, die dick genug ist, dass selbst große LKWs über sie hinweg fahren. Daher verbringen wir den Frühling in Deutschland mit der Suche nach Sponsoren, Training und dem Geben von Interviews. Gerade die letzten sechs Wochen vor Beginn der Reise sind wir durchgehend mit unserem Projekt beschäftigt. Dementsprechend froh sind wir, als es Ende Juni 2010 endlich losgeht!

Am Hauptbahnhof in Krefeld haben sich die engsten Freunde und Familienmitglieder versammelt. Das Kamerateam des Onlinesenders „Wild Water TV“ ist auch vor Ort, um unseren Abschied zu filmen. In der ganzen Hektik verpassen wir beinahe unseren ersten Zug. Gerade die Umstiege von einem Zug zum anderen, wie wir sie in Duisburg, Berlin Ostbahnhof, Warschau und Moskau zu bewältigen haben, sind mit unseren zwei Faltbooten, Proviant für einen Monat sowie über zehn Kilo Fotoausrüstung eine wahre Freude. Die Russen, welche eigentlich gewohnt sind mit viel Gepäck zu reisen, haben immer ein Lächeln für die beiden schwer bepackten und schwitzenden Deutschen übrig, die ihre zweihundert Kilogramm Ausrüstung über die vielen Bahnsteige des Moskauer Bahnhofs schleppen.

Ankunft in Sewerobaikalsk

Während der zehntägigen Anreise mit der transsibirischen Eisenbahn, nutzen wir die Zeit, um zumindest die wichtigsten russischen Begriffe zu lernen. Die Stadt Sewerobaikalsk entstand 1974 im Zusammenhang mit dem Bau derBaikal Amur Magistrale als wichtigstem logistischem Zentrum für den Bau des westlichen bis mittleren Teils der Eisenbahnstrecke.

Die ersten Tage auf dem See haben wir das Wetter auf unserer Seite und können uns bei wenig Wind erst einmal einpaddeln. An die riesigen Dimensionen des unendlich erscheinenden Sees müssen wir uns erst gewöhnen. Für die nächsten vier Wochen werden wir das Leben von Seenomaden führen. Während unser Proviant genau eingeteilt ist, brauchen wir uns um genügend Wasser keine Sorgen machen. Hier im nördlichen Becken des Sees ist das Wasser so sauber, dass wir unsere Trinkbecher einfach während des Paddelns eintauchen können, um das eiskalte Wasser zu genießen. Vor der Expedition haben wir uns zusätzlich einen Energievorrat von 5 Kilogramm Fett angefuttert, um so eine eiserne Reserve zu haben, falls wir doch länger als die geplanten 30 Tage unterwegs sein sollten.

Doch bereits am dritten Tag ziehen dicke Wolken über die 2000 m hohen Gipfel des Baikalgebirges, woraufhin wir in dem kleinen Fischerdorf Baikalskoje anhalten, um uns über das Wetter zu informieren. Wir erfahren, dass für die nächsten Tage ein Hochdruckgebiet die Wetterlage bestimmen soll, was uns aufgrund der sich hoch auftürmenden Wolken jedoch anders erscheint und paddeln weiter. Ein Blick auf die topographische Karte zeigt mir ein langes Stück Steilküste von mindestens 30 km für den nächsten Tag. Da wir das Wetter am See noch nicht richtig einschätzen können, sind wir vorsichtig. Immer wieder hatte uns der ortsansässige Rashit, der uns bei vielen organisatorischen Aufgaben in Sewerobaikalsk behilflich war, vor den gefährlichen Winden hier an der Westküste gewarnt. Vom Kajak aus studiere ich die Küstenlinie mit dem Fernglas. Ich versuche Buchten zu erspähen, in die wir uns, falls schlechtes Wetter aufziehen sollte, zurückziehen können. Am Horizont finde ich zum Glück eine Bucht, die mir dafür als geeignet erscheint.

Der nördliche Teil des Baikalsees besteht aus einem fast durchgehenden Naturschutzgebiet, dem Baikal Lena Reservat und dem Pribaikalski Nationalpark. Das von Bergtaiga und Tundra geprägte Gebiet ist die Heimat der Bären, von denen hier noch viele zu finden sind. Nur sehr wenige Menschen sind in diesem Küstenabschnitt unterwegs, da man ihn nur per Boot erreichen kann. Wir genießen die Einsamkeit der Natur, die nur hin und wieder durch die Fischer, die wir treffen, aufgelockert wird. In der Gesellschaft dieser einfachen Männer, die am Baikal jagen und fischen, haben wir uns besonders wohl gefühlt.

Bekanntschaft mit der „russischen Seele“

Mehrere Buchten weiter treffen wir auf Sergej und Anatoli, zwei junge Fischer. Die beiden haben ein Motorboot und wir fragen sie, ob sie uns nicht zu den gar nicht so weit entfernten Uschkani Inseln auf der anderen Uferseite des Sees übersetzen könnten. Wir wollen diese Inseln besuchen, um die einzige Kolonie von endemischen Baikalrobben zu fotografieren. Sergej erklärt uns, dass dies in einem offenen Boot viel zu gefährlich sei und selbst, wenn es das Wetter erlauben würde, müssten wir dafür 200 US Dollar bezahlen. Obwohl wir dieses Geld nicht in unserem Budget haben, lädt uns Sergej erst einmal zum Essen ein.

Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, während der Expedition keinen Alkohol zu trinken. Was wir jedoch nicht berücksichtigt hatten, waren die Sitten Russlands und die Überredungskunst von Sergej und Anatoli. Den ersten Wodka, bei dem es in Russland eigentlich nie bleibt, zu verwehren, ist eine große Sünde. Nachdem wir ein deftiges Abendessen, aus Borschtsch, Fisch und frischem Brot mit den beiden teilen durften, frage ich Anatoli später in einem ruhigem Moment beim Fischen: „ Sag mal Anatoli, jetzt konnten wir uns euren Bootstrip nicht leisten und eure Banja war uns zu teuer, daraufhin habt ihr uns zum Essen eingeladen und seid mit uns Angeln gegangen und wolltet nicht einmal einen einzigen Rubel dafür. Das verstehe ich nicht?“ Anatoli erwidert darauf in seiner ruhigen Art und einem leicht verschmitzten Lächeln: „ Ach Lars, das ist einfach die russische Seele!“

Dichter Nebel und schamanische Statuen

Die Wetterlage hat sich geändert, schon den ganzen Tag kämpfen wir uns durch Regen und dichten Nebel. Bei den wenigen Fotoversuchen wird meine Kamera komplett nass. Als wir durch den Nebel hindurch eine verlassene Hütte am Ufer erblicken, kommt uns das sehr gelegen. Da sogar der Ofen funktioniert, beziehen wir hier erst einmal Lager bis das Gröbste der Schlechtwetterfront vorbei gezogen ist. Der Regen hat uns bis auf die Knochen durchnässt und wir sind dankbar, hier unsere Paddelklamotten trocknen zu können. Wir nutzen die Zeit, um Tagebuch zu schreiben und unsere weitere Reise zu planen. Leider stellt sich auch die Hütte bei dem nicht enden wollenden Dauerregen als nicht dicht heraus, so dass wir immer näher zusammenrücken müssen. Am übernächsten Morgen herrscht zwar noch dichter Nebel, es hat aber zumindest aufgehört durchgehend zu regnen, das reicht uns für den Aufbruch

Doch das Wetter fordert uns weiter heraus. Nachdem wir die schlechte Wetterperiode hinter uns gebracht haben, regnet es nun zwar nicht mehr, dafür haben wir aber nun häufig gegen den sogenannten „Sarma“ Wind anzukämpfen, dessen hohe Windgeschwindigkeiten uns des Öfteren zwangen den Schutz des Ufers aufzusuchen. Dann endlich, nach einigen Tagen, dreht die Windrichtung auf Nordost und wir haben das erste Mal auf unserer Reise Rückenwind. Aber unsere Freude ist nur von kurzer Dauer. Denn nun reiten wir auf zwei Meter hohen Wellen dahin und müssen uns höllisch darauf konzentrieren, nicht die Kontrolle über unsere Kajaks zu verlieren. Wenn wir in dem nur sechs Grad kalten Wasser kentern würden, hätte das fatale Folgen für uns. Eine erfolgreiche Eskimorolle mit unseren total überladenen Faltbooten wäre fast unmöglich. Die Lage spitzt sich zu: Innerhalb kürzester Zeit haben wir 25 km zurück gelegt und der Wind frischt noch weiter auf. Die Gefahr, auf den offenen See hinaus getrieben zu werden, wird mit jeder Welle größer und zwingt uns, in einer der Sandbuchten vor dem Wellengang Schutz zu suchen. Auf dem Shorebreak surfen wir die Wellen hinunter und sind heilfroh, als wir den Bug unserer Faltboote in den zum Glück weichen Sand des Ufers bohren.

In der Bucht mit weißem Sandstrand herrschen paradiesische Verhältnisse. Erleichtert, dass wir den Wellenritt und die anschließende Landung gut überstanden haben, genießen wir die Sonne am Ufer. Viele kleine, bunte Schmetterlinge flattern umher, die anscheinend das von uns ausgeschwitzte Salz, welches noch an unserer Ausrüstung klebt, besonders mögen.

Auf einem Erkundungsgang entdecken wir am Rande des Ufers eine hölzerne Statue. Die Naturreligion und der Schamanismus sind in Sibirien immer noch sehr verbreitet. Durch Opfergaben und Statuen, welche Naturgeister darstellen, wird sie auch heute noch von den Bewohnern des Baikalsees praktiziert. Auch das klare Wasser des Brunnens der Erde, wie der Baikal auch genannt wird, ist ihnen heilig.

Das kleine Meer „Maloje More“

An unserem 15. Tag paddeln wir in das sogenannte „kleine Meer“ ein. Das Maloje More verdankt seinen Namen der Insel Olchon, die es vom östlichen Teil des Sees abschirmt. Der abgrundtiefe Boden des Sees, der noch im nördlichen Becken an vielen Stellen bis zu über 1000 m Tiefe abfällt, ist hier nur einige hundert Meter tief. Das ansonsten eiskalte Wasser steigt hier auf erträgliche Temperaturen an, die im Sommer viele russische Camper anlocken. Mit der herrlichen Ruhe der Natur wie wir sie in den letzten Wochen unserer Reise genießen durften, ist es erst einmal vorbei.

Zehn Tag später landen wir in der sogenannten „Sandbucht“, eine der wenigen Buchten am westlichen Baikalufer, in der es Sand gibt. Da wir nun mittlerweile 25 Tage fast täglich auf dem Wasser waren und der Wind mit 7 Beaufort zu stürmisch ist, als dass an eine Weiterfahrt  zu denken wäre, machen wir erst einmal eine Pause. Wir verbringen ein paar Tage in der Bucht und unternehmen Wanderungen in der Umgebung, unsere mittlerweile verkümmerten Beine freuen sich auch über etwas Bewegung. Der Ranger, der hier in der Sandbucht seinen Posten hat, lädt uns zu einem russischen Banja- Ritual ein. Das Waschen im See ist normalerweise eine äußerst kalte Erfahrung und fällt dementsprechend kurz aus. Wir freuen uns über die Möglichkeit, mal wieder so richtig sauber zu werden. Die Banja ist das traditionelle Badezimmer Sibiriens und besteht aus einem mit Wackersteinen umlegten oder ummauerten Heizkessel, in dem das Wasser erhitzt wird. Nachdem mit dem Ofen der Innenraum der Banja beheizt wurde, ist es in Russland üblich, sich mit eingeweichten Birkenzweigen abzuschlagen, was eine reinigende und durchblutungsfördernde Wirkung hat.

Während eines interessanten Streifzugs durch das Delta der Goloustnaja haben wir die Chance, Sichelenten und Sterntaucher zu beobachten. Die Goloustnaja ist einer der 336 Flüsse und unzähligen Bäche, die in den Baikal fließen. Die größten sind dieObere Angara, die Selenga und der Bargusin. Die Angara ist heute der einzige Abfluss des Sees und einer der großen FlüsseSibiriens. Trotz ihrer gewaltigen Abflussmenge müsste die Angara etwa 400 Jahre lang fließen bis der Baikalsee geleert wäre.

Die letzte Station vor unserem Endziel Listwjanka ist Bolschije Koty. Die Siedlung wurde 1855 gegründet, als man hier Gold fand. Seit 1968 der Abbau von Gold gestoppt wurde, sank die Einwohnerzahl auf 40 ab. Heute beheimatet das Dorf eine biologische Forschungsstation, in der viele Studenten der Irkutsker Universität auf dem Gebiet der Baikalforschung tätig sind. Wir verbringen noch zwei Tage in dem Dorf, um uns bei Dr. Stom und den Studenten über die Wasserqualität hier im südlichen Becken des Baikals zu informieren. Uns interessiert, inwiefern die Wiedereröffnung der Zellulose Fabrik in Baikalsk schon wissenschaftlich messbare Auswirkungen auf die Wasserverschmutzung zeigt. Zum Glück sind bis jetzt im nördlichen Becken noch keine wesentlichen Veränderungen messbar.

Von Bolschije Koty bis nach Listwjanka ist es jetzt nicht mehr weit. Während wir die letzten Kilometer unserer Tour paddeln, nimmt plötzlich der Bootsverkehr immens zu. Wochenendurlauber umkreisen uns mit ihren Motorbooten, während wir das letzte Kap umrunden und die hohen Hotels von Listwjanka in Sicht kommen. Listwjanka ist die Riviera des Baikalsees, an die im Sommer Tagestouristen aus Irkutsk strömen, um einmal die „Perle Sibiriens“ zu erleben.

Nach 32 Tagen und 598 gepaddelten Kilometern erreichen wir schließlich mit gemischten Gefühlen das Endziel unsere Expedition. Einerseits sind wir glücklich, die Gefahren und Strapazen hinter uns gelassen zu haben, andererseits traurig darüber, die beeindruckenden Landschaften des Sees verlassen zu müssen. Die vielen Menschen, großen Häuser und all der Rummel sind uns einfach viel zu viel. Wir bauen unsere Boote ab, verstauen bei einem Bier unsere Ausrüstung und zwängen uns in den winzigen Minibus, der uns nach Irkutsk bringt.

Nach dem Abschluss der eigentlichen Expedition und einigen Tagen Erholung in Irkutsk machten wir uns auf den Weg, um uns persönlich einen Eindruck von den Ausmaßen der Papierfabrik in Baikalsk zu verschaffen. Anschließend trafen wir uns mit der führenden Ökologin der Region, Frau Dr. Nina Dagbaeva, in Ulan Ude, um weitere Informationen über die Umweltproblematik im südlichen Becken des Sees, zu bekommen.

Doch wer nun denkt, die Seanomads würden sich anschließend in den nächsten Flieger Richtung Europa setzen, hat falsch gedacht. Wir wollten unserm Ziel und Stil treu bleiben und unsere Expedition so beenden, wie wir sie begonnen hatten, nach dem Motto unserer Großväter „ mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis ans andere Ende der Welt“. Also haben wir uns erneut in den Zug gesetzt, um die über 6000 km lange Heimreise Richtung Westen anzutreten, in Gedanken versunken an die Tiefen des Brunnens unserer Erde.